Neue Termine für Lesungen

Dienstag, 26.04.2022 um 19:00 Uhr
Im Erich Kästner Haus für Literatur

»Aufgetaucht« 

Die Schreibwerkstatt des Autors Michael G. Fritz stellt sich vor 

Lesung  mit Musik  Prosa Veranstaltung speichern

Die Schreibwerkstatt des Schriftstellers Michael G. Fritz gehört zu den langjährigen Konstanten im Erich Kästner Haus für Literatur. Es nehmen nicht nur nachwachsende und unbekannte Autoren und Autorinnen der Region, sondern auch bereits gestandene Schriftsteller teil, die schon mehr als ein eigenständiges Buch, mehr als einen Beitrag in einer Anthologie oder einer Zeitschrift vorweisen können und bereits erste Preise erhalten haben. Die Teilnehmer schreiben neben ihrem Beruf, dessen Alltag von ihnen nicht wenig verlangt, neben dem Studium und all den Herausforderungen des modernen Lebens.

Es lesen:
Cosmo von der Beerenburg, Geralf Grems, Anja Haase, Harald Lämmel, Petra Schweizer-Strobel, Frank Siegert, Steffen Wartner, Diana Wolff, Hans-Haiko Seifert, Martha Otto

Moderation: Michael G. Fritz

Musikalische Begleitung: Die Waldmüslikanten

Eintritt frei!


Altes & Neues

Na ja, was soll ich sagen, meine „Joanna“ hat zwar noch keinen Verlag, aber fürs nächste Manuskript ist schon das erste Heft vollgeschrieben. Da wird es Zeit, die ersten Seiten zu tippen…

Hellerauer Lesetage

In der Reihe Hellerauer Lesetage stellen 
Manuela Bibrach,
Undine Materni und
Hans-Haiko Seifert 
ihre Texte vor.
Samstag, den 12. September 2020 ab 19 Uhr im Bürgerzentrum Waldschänke Hellerau.

40 Jahre Solidarność

Heute vor 40 Jahren begannen in Gdańsk die Streiks in der Leninwerft, die kurze Zeit darauf zur Gründung der Solidarność führten.
Wie Joanna und Georg, die Protagonisten meines Romans diesen Tag erlebten, erfahrt ihr hier:

Überall von der Hallendecke hingen Fernseher. Niemand beachtete sie und auch wir schauten zunächst nur flüchtig hin, so wie man eben hinschauen muss, wenn irgendwo ein Fernsehbild flimmert. Aber was wir da sahen, das traf uns so unverhofft, das ließ uns sofort alles vergessen, wir vergaßen Düsseldorf, die fremde Stadt. Wir vergaßen auch den Westen. Einfach alles hier. Wir sahen ein Fabriktor mit großen blauen Buchstaben darüber: Stocznia Gdańska. Danziger Werft. Eine riesige Menschenmenge davor, ebenso viele Menschen hinter dem Tor. Überall weiß-rote Fahnen. Ein Reporter, der außerhalb des Werktores stand, interviewte durch die Torstäbe hindurch einen unrasierten, schnauzbärtigen Typen. Der trug ein dunkles Jackett über einem karierten Flanellhemd. Neben dem Mann am Tor ein Bild von Papst Jan Paweł II. Der polnische Ton wurde unterdrückt und ins Deutsche übersetzt.
„Georg, was ist da los?“, fragte Joanna.
„Sie streiken, Joanna. In der Leninwerft.“
„Das sehe ich auch. Nun übersetze doch endlich, Georg!“
„Er spricht von politischen Forderungen. Es geht nicht nur um Lohnerhöhung, heißt es. Unabhängige Gewerkschaften. Redefreiheit, Pressefreiheit, so etwas. Sie fordern die Wiedereinstellung des Streikführers und einer entlassenen Kranführerin.“
Der Mann mit dem Schnauzbart wurde als Werftelektriker und Streikführer vorgestellt.
Und jetzt sagte der Streikführer noch einen Satz ins Mikrofon, der nicht übersetzt wurde, weil die westdeutschen Zuschauer genauso wenig davon verstanden wie ich:
„Wir wollen ein Denkmal für die Opfer vom Dezember 1970.“
Dann begann schon der nächste Beitrag über die Folgen eines Unwetters über Nordrhein-Westfalen. Ein Kneipenbesitzer stand in Gummistiefeln in seinem Lokal. Ein Toilettenhäuschen schwamm in einem Dorfteich.
„Was war damals los, 1970?“, fragte ich Joanna.

Jazz plus Prosa

Aus dem ursprünglich für Anfang Juni geplantem Jazz, Prosa plus Suppe wird nun Jazz plus Prosa

Norbert Arendt spielt Improvisationen jazzig & free auf dem Klavier
Hans-Haiko Seifert liest aus den Frühjahrskapiteln seines Romans mit dem Arbeitstitel Warszawa

Am 20. August 2020
Im Laubengang des Bürgerzentrums Waldschänke Hellerau

Der Veranstalter legt wert auf eine Anmeldung bis zum 19. August per Email an
info@waldschaenke-hellerau.de

Johannisnacht

Ein kleiner Ausschnitt aus dem Sommerteil meines Romans. Joanna und Georg verbringen die Johannisnacht im Dorf ihrer Großeltern bei Warschau.

Schließlich fand Henryk im Dunkel wieder eine schmale Tür, öffnete sie sacht, Licht brach in den dunklen, kellerartigen Raum und ich sah Joanna. Sie stand am Fenster
„Hier, Anuszka, ich bring dir deinen Deutschen.“
Sie wendete sich zu mir, sah mir ernst und still in die Augen und kämmte mit gespreizten Fingern lange, sehr lange die Spinnenweben aus meinem Haar.
Kaum war Henryk verschwunden, schepperte die Blechschüssel erneut.
Wir standen noch lange am offenen Fenster. Ich stand hinter ihr und drückte sie fest an mich. Ich roch den Sommer in Joannas Haar.
„Du duftest… wie die blaue Blume“.
Sie verstand natürlich nichts und rieb nur ihren Kopf ganz sanft an meinem Gesicht
„Wie? Die blaue Blume?“
„Wann ist eigentlich dieser Johannistag?“
„Der ist heute, du weisst es nicht?“
„Letzten Herbst hab ich bei Novalis gelesen: Wenn du am Johannistag gegen Abend wieder hierher kommst, so achte auf ein blaues Blümchen. Du kannst es hier finden…, ich weiß nicht mehr genau, es sollte das Glück bringen, so etwa.“
„Und du hast es vergessen, das blaue Blümchen, über das Jahr?“
„Nein, ich hab es nie vergessen, aber ich hab nicht gewusst, wann das ist: am Tage Johannis“.
„Das ist also heute, Georg.“
Die Nacht war voller Geräusche. Hundebellen, gereiztes Rufen. Das Schnauben von Pferden. Die russischen Schimmel ganz sicher.
In der Ferne stritten zwei betrunkene Männer, bis auch das aufhörte. Dann von irgendwoher die Erkennungsmelodie der Spätnachrichten, dann nur noch das Gezirp von Grillen oder war es das Gesirre der Sterne über den Büschen. Bis der Nachtzug nach Warschau in der Ferne vorbeiratterte.
„Georg?“
„Ja.“
„Morgen geht Jacek nach Düsseldorf?“
„Ja.“
„Morgen ziehe ich zu dir.“
Und wir lagen beieinander, ganz still unter der schweren Decke, denn das kleine Haus, es war ein Haus mit feinen Ohren.
Nur die Hände umfuhren ohne Rast unsere Körper, streichelten das Haar und unsere Lippen küssten sich immer und immer wieder.
Und ich dachte, ja das dachte ich wirklich: So also sieht das Glück aus!