Unterfränkische Weintäler

 

So, 16.7.
Von wegen unterfränkisch! Jedenfalls sind wir aus dem niederschlesischen Księżycowa Dolina, also Mondtal nun im Dorf Mondfeld angekommen. Aber zwischen den unterfränkischen Würzburg und Aschaffenburg haben sich die Baden-Württemberger noch einmal dazwischen gegrätscht. Und die fränkische Grenze verläuft in Flussmitte. Aber das Mondfeld ist nicht fränkisch. Sehr idyllisch aber ebenfalls. Direkt vor dem Ferienhaus verläuft der Mainradweg und man wird vorm Losfahren noch von diesem Blick gestoppt:

Mo., 17.7.

Eine Tour Main-abwärts beginnt mit einer Überfahrt mit Burg-Blick:

Lange noch ist kein Wein in Sicht, aber man lernt andere interessante Dinge über Weintäler. Es ist offenbar nicht so wie man immer denkt: Flüsse schneiden sich die Täler von selbst und fertig. Nein: es muss fleißig gebaggert werden, immer von der Flussmitte weg und hin zu den Rändern der Täler. So entstehen mit viel Geduld auch Weinberge. An der Spree z.B. haben sie das ignoriert, weshalb es dort nur saure Gurken gibt.

Unweit davon wird ein Raketenstart vorbereitet. Wir wissen nicht wozu. Tatsache ist, dass uns in dem Moment Frank Castorf auf dem Rad entgegenkam. Das ist kein Witz. Und er trug ein schwarzes Volksbühnen TShirt

Dann finden wir doch die erste Straußwirtschaft, die hier im Fränkischen Häckerwirtschaft heißen. Kurz vor dem schönen Städtchen Miltenberg. Immer entlang der Fachwerkstraße, die sich stellenweise deckt mit der Nibelungenstraße und der Weinstraße

Vom Fachwerk und was davon entlang der Straße noch übrig ist, wird später mal berichtet. Oder soviel: die Häuser einiger Orte entlang der Fachwerkstraße waren ausgestattet mit dem, was die Baumärkte in den siebziger Jahre hergegeben haben. Es war die kurze Zeit, da Ornament als Verbrechen galt, da die geschnitzten Verzierungen von Klavieren abgedroschen wurden und alles mit grellen gelben, roten und grünen Farben lackiert wurde. Und hier war auch noch Geld da, die Pläne umzusetzen.

Es ist eine Vermutung, aber es sieht danach aus, Freilich ist Miltenberg verschont worden und viele andere Städtchen auch.

Di, 18.7.

An einem heißen Tag muss die Radtour durch ein schönes, kühles Tal gehen. Man könnte mit den Füßen im Bach sitzen und weiterfahren, wenn die Kälte zu schmerzen beginnt. Und hier gilt als das schönste Tal das Taubertal. Ach was, der schönste Radweg Deutschlands in der Eigenwerbung.
Die Tour beginnt nicht in Wertheim, wo der Tauber in den Main fließt, sondern in Tauber-Bischoffsheim und sie endet nicht, wo fast alle Touristentouren der Welt vorbeiführen – in Rothenburg ob der Tauber –  sondern im beschaulichen Bad Mergentheim, das einst seinerseits die Welt mit allem Möglichen überraschte, mit dem dort ansässigen Deutschritterorden. Das trifft sich gut, wenn man aus Polen kommt, wo es in jeder, aber in jeder Stadt eine Grunwald-Strasse gibt, wo der Deutschritterorden richtig Dresche gekriegt hat.
Das Taubertal ist kein enges, kühles Tal, es weitet sich bald für Landwirtschaft, in höheren Südlagen auch mitunter für Weinbau, weiterhin für Fenster- und Klimaanlagenbau.

So ging also die Fahrt durch sommerlich duftende, aber vor Hitze glühende Getreidefelder.

Zum Recherchieren war es einfach zu heiß. Nehmt es also erstmal so hin: inmitten der Deutschritterburg steht eine fein-barockene evangelische Kirche. Viel interessanter war der Brunnen mit frischem, kalten Wasser im Innenhof

Ich hab wirklich ein paar Fotos davon gemacht, aber das Netz in Mondfeld ist wirklich noch schlechter als im schlesischen Mondtal…

Mi, 19.7.

34 Grad. Da gibt es wenig Dinge die helfen.

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Eines ist am Main zu sitzen und zu lesen und die Schiffe vorbeiziehen lassen.

Etwas anderes, das Kloster Bronnbach zu besichtigen, wo der Kreuzgang angenehm schattig und die schwer aufbarockisierte romanische Kirche kühl war.

Und zum Abend in die Häckerstube, wie hier die Straußwirtschaften heißen