Lato polskie 2017

Zur Reise nach Mondfeld geht es hier entlang.

Sa., 8.7.

Das geht: erst am Nachmittag in Dresden Richtung Osten starten und zur Essenszeit in Breslau ankommen. Unter hohen Wolkentürmen durch die niederschlesische Ebene. Anderswo nennen sie die Wolken jetzt gerade Gewitterwolken.Sie werden ihre Gründe haben.
Im Hotel Tumski an der Oder.

Die Stadt ist voller Menschen. Kaum freie Plätze in den Freisitzen der Restaurants. Die Menschen flanieren zu Tausenden über den Markt unterm hellen Mond über den Renaissancehäusern.

Wer denkt an diesem Abend daran, dass die Renaissancehäuser keine 50 Jahre alt sind. Die gazeta wyborcza denkt daran in einer Posterausstellung auf dem Markt. Fotos zeigen das 20-jährige Jubiläum ihrer wirklichen Renaissance irgendwann in den 60ern.

So., 9.7.

Frühstück im Hotelgarten an der Oder. Über die Brücke laufen geputzte Mädchen mit weißen Kniestrümpfen, Mütter in eleganten Kleidern, Großväter in schwarzen Anzügen und Väter in irgendwas. Ich weiß wo sie hinwollen, den vom Tisch aus sehe ich alle Kirchen der Dominsel: die Kathedrale, die Maria auf dem Sande und die Heilig-Kreuz-Kirche mit ihren zwei Etagen

Die Fahrt geht nun Richtung Süden. Vorbei am Olympia-Stadion. Olympia? Hier war nie Olympia, auch 1936 nicht. Stattdessen gibt’s hier heute American Football und sowas

Halt in Brzeg, einstiger Sitz der schlesischen Piasten, die es sich gegönnt haben, italienische Baumeister zur Errichtung ihrer Residenz zu holen

Schließlich erreichen wir hoch oben das Ksiezycowa Dolina, das Mondtal

Mo, 10.7.

Rundfahrt durch Bad Landeck, Ladek Zdroj. Seht, der schöne Marktplatz mit dem Rathaus:

Und auch die Brücke. Wie schön sie ist. Sie hat einen restaurierten Heiligen bekommen. Nur das Haus dahinter harrt noch der Rettung. Aber die Ladecka ist launisch und füllt sich schnell, wenn oben am Czarna Gora die Gewitter sich entladen.

Bis ins Skigebiet des Czarna Gora sollte auch die Radtour gehen. Aber kurz vorher zwang ein aufziehendes Gewitter zur Umkehr und wir schafften es gerade noch ins Gasthaus zu polnischer Küche: Spinatpfannkuchen und Schlesische Klöße mit Gulasch.

Zurück im Mondtal geht wirklich der Mond auf und auf der Terasse läßt es sich bis tief in die Nach herrlich sitzen.

Di, 11.7.

Regen klopft aufs Blechdach – ach. Aber besser als das Klopfen und Trappeln von Krallen unbekannter Tiere nachts um vier…
Dann wollte ich schon gern wissen, wie es nach all den Jahren um die Kreisstadt Klodzko bestellt war.
Natürlich gibt es hier die wundervolle Mini-Karlsbrücke. Seht selbst.

Aber in der eigentlich sehr schönen Altstadt nur eine paar Bankfilialen und Eisbars. Einkaufen gehen die Leute in ihre malls vor den Toren der Stadt wie in aller Welt – hier freilich mit Bergblick

Nun heißt ja Ladek zdroj Bad Landeck, weil es eben ein Heilbad war, ausgebaut und genutzt auch von allerlei Majestäten des preußischen Hofes. Natürlich war Goethe auch da.

Nun muss man aber kein Edelmann sein, um an die Quellen zu kommen. Sie fließen auch  einfach so aus der Erde. Aber die heilende Wirkung, muss man sagen, erreichen sie nur dadurch, indem sie den Gast in Geruch und Geschmack den Eindruck vermitteln, als müsse er mit dem Leibhaftigen an der Tafel sitzen.

Mi, 12.7.

Ein Radtour auf die böhmische Seite. In der Ferne ragt schon das Altvatergebirge auf

Auch hier werden Grenzen unterschiedlich ernst genommen. Einmal mitten im Dorf muss schon noch auf die Staatsgrenze hingewiesen werden. Dann aber findet sich eine ideale Nutzung für den quadratmeterweise vergossenen Beton einer alten Grenzabfertigungsanlage. Hinüber in das als schlesische Rotenburg über alle Maßen gelobte Paczkow. Aber auch hier alles noch weit entfernt von hoffnungsvollen Zeiten. Man wird sich der abgelegenen Gegenenden annehmen müssen, sonst werden sie weiter die Sümpfe bleiben, in denen die populistischen Fieber brüten.

Do, 13.7.

Ein Besuch im schlesischen Jerusalem

Von der Wallfahrtskriche Wambierzyce geht es genau 33 Stufen – das Lebensalter Christi – hinunter. Wir queren den Bach Kidron, diesen Namen nimmt der Dorfbach tatsächlich für 100m an und gehen in einen Garten. In diesem Garten befindet sich eine mechanische Krippe, die ein wackerer Uhrmachermeister in 28 Jahren Arbeit errichtet hat. Es ist natürlich die größte der Welt. Daneben ist gleich das Grab.

 

So geht es den Kalavarienberg steil empor.

Gerahmt von drastischen Darstellungen der Passion in kleinen Kapellen.

In diesem kleinen Veschlag wird Ignatius von Antiochien gedacht. Meines Erachtens nach  soll der Maschendraht auf den Käfig hinweisen, in dem der arme syrische Bischof von Löwen zerrissen worden sein soll.

Fr, 14.7.

Radtour im Tal der Weißen Ladecka, gerahmt von Gebirgen mit den vielversprechenden Namen Goldgebrige und Reichensteiner Gebirge. Heute siedeln hier meist Feriengäste (die man sah) und Holzfäller (die man hörte), in jedem Falle aber fromme Menschen, weshalb uns der Weg als Kreuzweg gepriesen wurde. Dass in ihm Gastwirte nicht mehr siedelten wurde uns fast bis zum Ende des Tals schmerzlich bewusst…. bis schließlich doch noch die Baude „Cyborg“ kam. Ihr hört richtig! Es klingt wie das Betriebsferienheim des Chaos Computer Clubs. Und so war es einst auch: Studenten der Kybernetik (so sagte man damals) entdeckten in den 60er Jahren die kleine Hütte als Nachtlager mit Wäsche am Bach.
Heute ist es eine noble Herberge

Zur Reise nach Mondfeld geht es hier entlang.

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